Seit meinem letzten Post ist nun doch wieder in Monat vergangen, irgendwie macht der Sommer, das Zeitfinden zum Schreiben nicht unbedingt einfacher... Bevor ich jetzt aber anfange, erst mal ein Foto vom wunderschönen Minsker Sommer!
Im letzten Monat ist hier auch wieder viel passiert. Die Inflation schreitet rapide vorwärts, für uns am stärksten spürbar durch die stark gestiegenen Lebensmittelpreise und vor allem den Euro- Kurs. Der lag als wir vor 9 Monaten ankamen noch bei 1€ zu 3800 belarussischen Rubeln und bewegte sich auch bis Ende März immer ungefähr bei 1€ zu 4000. Danach stieg er allerdings immer weiter an, wodurch der belarussische Rubel weiter an Wert verlor. Die Leute kauften, weil sie Angst vor einer weiteren Inflation hatten, immer mehr Euro und Dollar bei den Banken und dann gingen den ersten Banken eben die Euros und Dollars aus. Also entwickelte sich ein Schwarzmarkt, aufdem man bis zu 6000 belarussische Rubel für einen Euro bezahlte. Dann wurde Mitte April der Kurs den man bei der Nationalbank bekam, dem Schwarzmarktkurs angeglichen und jetzt war auch bei den Banken der Kurs bei 1€ zu 6000 Rubeln. Das stieg dann immer weiter an, bis vor zwei Wochen der Kurs mit 7600 zu 1€ seinen Höchststand erreichte, also das doppelte von dem Kurs, der herrschte, als wir ankamen. Die letzten paar Tage sank der Kurs jetzt wieder ein wenig, heute ist er bei 7380 zu 1€.
Diesen Monat sind jetzt aber die Renten und Löhne ein wenig angehoben worden, obwohl das für viele Leute leider einfach nur wie Hohn klingen mag: alleine ein Kilo Zucker kostet schon 5000 bel. Rubel und der Lohn wird so um die 30 000 erhöht.
Auch sind die Preise für Benzin die letzten Tage extrem gestiegen und ab morgen werden Zigaretten doppelt so teuer sein. Heute gab es schon keine mehr in den Läden. Da ausländische Währungen schon nur noch auf dem Schwarzmarkt zu bekommen sind, investieren viele Leute ihre Ersparnisse noch in "harte" Sachen: Elektrogeräte, wie Kühlschränke und Waschmaschinen sind sehr begehrt.
Aber durch die Krise nimmt auch etwas wieder zu, was es seit dem 19. Dezember nicht mehr gab: Widerstand gegen den Staat. Vor zwei Wochen kursierte die folgende Geschichte, zu der dann auch Videos im Internet auftauchten: Ein Student, hatte kein Ticket, als er im Bus kontrolliert wurde und weigerte sich dann aber zu bezahlen. Die Kontrolleurin rief die Miliz, ein Mann kam dem Studenten zuhilfe. Bis dahin alles noch normal. Als die Miliz kam, lief der Student weg und der Mann stritt sich mit der Miliz, die Situation eskalierte und die Milizionäre fingen an den Mann zu schlagen und wollten ihn festnehmen. Jedoch hinderten die Zuschauer, vor allem Frauen sie daran, sie schlugen mit ihren Handtaschen auf die Milizionäre ein, nahmen ihnen die Mützen weg und beschimpften sie.
Auch gab es gegen die Benzinpreiserhöhung Proteste, vor zwei Tagen blockierten Autofahrer den Prospekt der Unabhängigkeit, die Hauptverkehrsstraße in Minsk, für mehrere Stunden. Sie stellten ihre Autos einfach auf der Fahrbahn ab, öffneten die Motorhauben und blieben dort einfach stehn.
Alles in allem eine immer angespanntere Situation, viele Menschen schimpfen mittlerweile offen auf den Präsidenten. Der hat übrigens eine eigene Meinung zur Währungskrise und dem Ansturm auf Euro und Dollar (ok, er zitiert eine andere Frau): "Warum braucht ihr ausländische Währungen? Wollt ihr nach Ägypten in Urlaub fahren?"
Wie immer, bleibt erstmal nichts anderes zu tun, als abzuwarten und Tee zu trinken. Oder doch lieber Vodka? Denn der ist nicht so stark teurer geworden, warum nur?
Ansonsten hatten wir in den letzten Wochen aber auch sehr netten Besuch von der diesjährigen ASF Studienfahrt. Der Studienfahrt werde ich morgen noch einmal einen eigenen Eintrag widmen.
Noch etwas interessantes zum Lesen, kann ich in der jetzt neu erschienen ASF Zeitschrift anbieten, ich habe aufgrund des 70. Jahrestags auf die Sowjetunion einen Artikel für das "Zeichen" geschrieben. Außerdem ist auch Montag in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ein Artikel über meine Mitfreiwillige Hannah erschienen.
Und zum Schluss noch etwas das mir sehr am Herzen liegt. Wie das Winterlager, über das ich schon berichtet habe, wird es auch im Sommer wieder mehrere Lager geben, ein Erwachsenenlager, das Lager von Rasnie Ravnie "Runder See" und ein Lager mit Kindern aus Novinki. Schon als ich ankam, wurde ich von den Kindern immer wieder gefragt, wann wir denn jetzt wieder aufs Lager fahren. Als der Winter zuende war und wir anfingen zu überlegen, wer mitfährt, war das ein heiß diskutiertes Thema und für mich auf der einen Seite sehr schön, wenn ich von Kindern gefragt wurde, und ich die Frage bejahen, aber auch traurig, wenn ich sie verneinen musste. Denn leider können wir nicht alle Kinder mitnehmen, aber für die 12 die aufs Lager fahren wird die Vorfreude immer größer. Jeden Tag fragen sie und die Zeit ist immer noch viel zu lange.
Finanziert werden die Lager über Kanikuli e.V., dieses Jahr ist die Finanzierung aber sehr knapp. Daher hier der Spendenaufruf von Kanikuli und die Bitte von mir und vor allem von den Kindern aus Novinki und allen Teilnehmern der Lager: UNTERSTÜTZT BITTE DIE ARBEIT VON KANIKULI: SIE IST SEHR SEHR WICHTIG!!!
Danke, Johanna
Willkommen auf meinem Blog über mein Freiwilligenjahr in Minsk, Belarus!
Mittwoch, 8. Juni 2011
Mittwoch, 11. Mai 2011
9. Mai - Tag des Sieges
Nachdem hier in den letzten Wochen alles sauber gemacht, gestrichen, geschmückt und mit Fahnen und Plakaten behängt wurde, war es dann Montag endlich soweit: es war der 9. Mai, der Tag an dem der Sieg im Großen Vaterländischen Krieg gefeiert wird.
Wer sich fragt, warum denn der 9. Mai, die Kapitulation Deutschlands 1945 war doch am 8., dann hier die Antwort: Die Kapitulation wurde in Deutschland schon am 8. Mai erklärt, allerdings unterschrieben das Oberkommando der Wehrmacht und die Heeresführer den Kapitulationsvertrag erst kurz nach Mitternacht, daher galt in der Sowjetunion und gilt bis heute in ihren Folgestaaten der 9. Mai als Tag des Sieges.
Für Belarus ist der 9. Mai der zweitwichtigste Feiertag, direkt nach dem Tag der Republik am 3. Juli. Allerdings wird der 9. Mai nicht wie in Russland jedes Jahr mit einer großen Militärparade gefeiert, die gibt es nur an besonderen Jubiläen, wie 2010 zum 65. Jahrestag. Normalerweise gibt es aber einen feierlichen Zug der Veteranen und Staatsvertreter vom Oktoberplatz zum Siegesplatz und dort dann Kranzniederlegungen und eine Rede des Präsidenten.
An der extra aufgebauten Sicherheitsschleuse am Siegesplatz angekommen, durfte ich erstmal wieder zurück, da ich (worauf ich auch mal selbst hätte kommen können...) meine Spiegelreflexkamera nicht mitnehmen durfte, netterweise hat mich der freundliche KGB - Beamte gleich drauf aufmerksam gemacht und hat mir dann auch noch den überaus hilfreichen Tipp gegeben, doch einfach zwei Stunden spazieren zu gehn, wenn der Präsident weg wäre, könnte ich auch mit der Kamera auf den Siegesplatz... Na gut, also Kamera schnell in der Wohnung von Freunden deponiert und wieder zurück, dadurch haben wir dann den Zug der Veteranen nur noch am Siegesplatz ankommen gesehn, konnten dann aber von unserem Platz aus ganz gut beobachten wie Lukaschenko zusammen mit Söhnchen Kolja seinen Kranz niederlegt und danach auch noch seine Rede hören.
Nach der Rede war dann auch schon bald wieder alles zu Ende und ich bin dann meine Kamera holen gegangen und danach noch ein wenig durch den Gorki Park, wo mich allerdings der Volksfestcharakter und die vielen Menschen ein wenig abgeschreckt haben.
Den ganzen Tag halten diese Schüler von einer Militärschule Wache am ewigen Feuer auf dem Siegesplatz, während die Leute ihre Blumen ablegen.
Zum Abschluss des Siegestages wurde Abends noch Salut geschossen und es gab an verschiedenen Stellen in der Stadt Feuerwerke. Von unserer Wohnung aus hat man einen guten Blick auf die Nationalbibliothek und ihr Feuerwerk:
Danach habe ich den Abends noch stilvoll mit einem Partisanenfilm im Fernsehn ausklingen lassen(es ist immer wieder amüsant, die "deutschen" Soldaten mit einem richtig starken russischen Akzent sprechen zu hören xD) und der Siegestag war dann ja auch rum. Allerdings musste ich dann heute noch mit einer meiner Babuschkas den Siegestag mit ein wenig Vodka feiern.
Geblieben ist auf vor allem das Verständnis, wie wichtig dieser Tag auch 66 Jahre danach immer noch für Belarus ist. Der Siegestag ist in vielen Familien ein sehr wichtiger Feiertag, sie gehen zusammen auf die Parade, meist ja auch mit ihren Groß- oder Urgroßeltern, die selbst Veteranen sind und nach der Parade wird dann in der ganzen Familie zusammen gefeiert. In Belarus starb während des zweiten Weltkriegs jeder Vierte, in jeder Familie gab es Tote, daher ist die Erinnerung an diesem Tag sehr wichtig. Genau das war es auch, was Lukaschenko in seiner Rede betonte, eben dass es wichtig ist, denen zu gedenken die gestorben sind, aber auch die Erinnerung wachzuhalten, damit sich so etwas nicht wiederholen kann.
Auch geblieben ist aber auch das seltsame Gefühl Lukaschenko zum ersten Mal dort wirklich zu sehen und nicht nur im Fernsehn. Zu Lukaschenko gehören auch die Maschinengewehrläufe aus einem Fenster am Siegesplatz und die Mengen an KGB Leuten, die zwischen den Zuschauern standen und besonders einer, der sich besonders für uns interessiert hat, weil er anscheinend gehört hat, dass wir nicht Russisch sprechen und uns dann nicht mehr von der Seite gewichen ist. Genauso dazugehört für mich auch das Wissen, dass die Veteranen zwar als Helden gefeiert werden, der Staat ihnen aber die Unterstützung kürzt, außerdem muss man bedenken, dass diejenigen die zur Parade kommen noch die Fittesten der Veteranen sind, die jetzt alle schon über 80 sind und meist schon nicht mehr in der Lage zur Parade zu kommen und eben im Alter, wenn sie keine Familien haben, die sich um sie kümmern alleine gelassen sind.
Auch geblieben von diesem Tag ist die Frage, ob ich als Deutsche denn überhaupt mitfeiern darf, dass Deutschland besiegt wurde und meine eindeutige Antwort darauf, natürlich darf ich feiern, ohne die Befreiung wäre das Deutschland keins in dem ich Leben möchte!
Übrigens wurde ich ganz oft gefragt, ob in Deutschland der 8. bzw 9. Mai auch ein ganz wichtiger Feiertag ist und keiner konnte so recht verstehen warum er das nicht ist, was meiner Meinung nach auch verständlich ist. Ausgehend davon habe ich dann mal ein wenig im Internet nachgelesen und festgestellt, dass ich nicht genug Bescheid wusste und es in Deutschland schon genau diese Debatte, ob man den Tag denn nun Feiern darf oder nicht und wenn ja, wie, schon gibt. Also wieder was gelernt.
Ansonsten ist der Frühling, nachdem es am Wochenende wieder kalt war, nun scheinbar endgültig in Minsk angekommen, alles ist grün, die Sonne scheint und heute waren es schon 24°C. Ich finde es total angenehm endlich ohne warme Jacke oder dicken Pulli rausgehen zu können und finde es vor allem in Novinki richtig toll, dass wir dort jetzt schon lange rausgehen können und auf dem Spielplatz im Garten spielen können!
Obwohl mich die Nachricht, dass im Saarland schon die ersten Freibäder öffnen schon ein wenig neidisch gemacht hat ;). Das wars für heute, Fotos von der eigentlichen Parade reich vielleichtich noch nach, wenn ich sie von meinem Handy runtergespielt habe,
Пока, Йоханна
Wer sich fragt, warum denn der 9. Mai, die Kapitulation Deutschlands 1945 war doch am 8., dann hier die Antwort: Die Kapitulation wurde in Deutschland schon am 8. Mai erklärt, allerdings unterschrieben das Oberkommando der Wehrmacht und die Heeresführer den Kapitulationsvertrag erst kurz nach Mitternacht, daher galt in der Sowjetunion und gilt bis heute in ihren Folgestaaten der 9. Mai als Tag des Sieges.
Für Belarus ist der 9. Mai der zweitwichtigste Feiertag, direkt nach dem Tag der Republik am 3. Juli. Allerdings wird der 9. Mai nicht wie in Russland jedes Jahr mit einer großen Militärparade gefeiert, die gibt es nur an besonderen Jubiläen, wie 2010 zum 65. Jahrestag. Normalerweise gibt es aber einen feierlichen Zug der Veteranen und Staatsvertreter vom Oktoberplatz zum Siegesplatz und dort dann Kranzniederlegungen und eine Rede des Präsidenten.
An der extra aufgebauten Sicherheitsschleuse am Siegesplatz angekommen, durfte ich erstmal wieder zurück, da ich (worauf ich auch mal selbst hätte kommen können...) meine Spiegelreflexkamera nicht mitnehmen durfte, netterweise hat mich der freundliche KGB - Beamte gleich drauf aufmerksam gemacht und hat mir dann auch noch den überaus hilfreichen Tipp gegeben, doch einfach zwei Stunden spazieren zu gehn, wenn der Präsident weg wäre, könnte ich auch mit der Kamera auf den Siegesplatz... Na gut, also Kamera schnell in der Wohnung von Freunden deponiert und wieder zurück, dadurch haben wir dann den Zug der Veteranen nur noch am Siegesplatz ankommen gesehn, konnten dann aber von unserem Platz aus ganz gut beobachten wie Lukaschenko zusammen mit Söhnchen Kolja seinen Kranz niederlegt und danach auch noch seine Rede hören.
Nach der Rede war dann auch schon bald wieder alles zu Ende und ich bin dann meine Kamera holen gegangen und danach noch ein wenig durch den Gorki Park, wo mich allerdings der Volksfestcharakter und die vielen Menschen ein wenig abgeschreckt haben.
| Siegesplatz (rus. Площа Победы, bel. Плошча Победi) |
Den ganzen Tag halten diese Schüler von einer Militärschule Wache am ewigen Feuer auf dem Siegesplatz, während die Leute ihre Blumen ablegen.
| Zwei Veteranen |
Zum Abschluss des Siegestages wurde Abends noch Salut geschossen und es gab an verschiedenen Stellen in der Stadt Feuerwerke. Von unserer Wohnung aus hat man einen guten Blick auf die Nationalbibliothek und ihr Feuerwerk:
Danach habe ich den Abends noch stilvoll mit einem Partisanenfilm im Fernsehn ausklingen lassen(es ist immer wieder amüsant, die "deutschen" Soldaten mit einem richtig starken russischen Akzent sprechen zu hören xD) und der Siegestag war dann ja auch rum. Allerdings musste ich dann heute noch mit einer meiner Babuschkas den Siegestag mit ein wenig Vodka feiern.
Geblieben ist auf vor allem das Verständnis, wie wichtig dieser Tag auch 66 Jahre danach immer noch für Belarus ist. Der Siegestag ist in vielen Familien ein sehr wichtiger Feiertag, sie gehen zusammen auf die Parade, meist ja auch mit ihren Groß- oder Urgroßeltern, die selbst Veteranen sind und nach der Parade wird dann in der ganzen Familie zusammen gefeiert. In Belarus starb während des zweiten Weltkriegs jeder Vierte, in jeder Familie gab es Tote, daher ist die Erinnerung an diesem Tag sehr wichtig. Genau das war es auch, was Lukaschenko in seiner Rede betonte, eben dass es wichtig ist, denen zu gedenken die gestorben sind, aber auch die Erinnerung wachzuhalten, damit sich so etwas nicht wiederholen kann.
Auch geblieben ist aber auch das seltsame Gefühl Lukaschenko zum ersten Mal dort wirklich zu sehen und nicht nur im Fernsehn. Zu Lukaschenko gehören auch die Maschinengewehrläufe aus einem Fenster am Siegesplatz und die Mengen an KGB Leuten, die zwischen den Zuschauern standen und besonders einer, der sich besonders für uns interessiert hat, weil er anscheinend gehört hat, dass wir nicht Russisch sprechen und uns dann nicht mehr von der Seite gewichen ist. Genauso dazugehört für mich auch das Wissen, dass die Veteranen zwar als Helden gefeiert werden, der Staat ihnen aber die Unterstützung kürzt, außerdem muss man bedenken, dass diejenigen die zur Parade kommen noch die Fittesten der Veteranen sind, die jetzt alle schon über 80 sind und meist schon nicht mehr in der Lage zur Parade zu kommen und eben im Alter, wenn sie keine Familien haben, die sich um sie kümmern alleine gelassen sind.
Auch geblieben von diesem Tag ist die Frage, ob ich als Deutsche denn überhaupt mitfeiern darf, dass Deutschland besiegt wurde und meine eindeutige Antwort darauf, natürlich darf ich feiern, ohne die Befreiung wäre das Deutschland keins in dem ich Leben möchte!
Übrigens wurde ich ganz oft gefragt, ob in Deutschland der 8. bzw 9. Mai auch ein ganz wichtiger Feiertag ist und keiner konnte so recht verstehen warum er das nicht ist, was meiner Meinung nach auch verständlich ist. Ausgehend davon habe ich dann mal ein wenig im Internet nachgelesen und festgestellt, dass ich nicht genug Bescheid wusste und es in Deutschland schon genau diese Debatte, ob man den Tag denn nun Feiern darf oder nicht und wenn ja, wie, schon gibt. Also wieder was gelernt.
Ansonsten ist der Frühling, nachdem es am Wochenende wieder kalt war, nun scheinbar endgültig in Minsk angekommen, alles ist grün, die Sonne scheint und heute waren es schon 24°C. Ich finde es total angenehm endlich ohne warme Jacke oder dicken Pulli rausgehen zu können und finde es vor allem in Novinki richtig toll, dass wir dort jetzt schon lange rausgehen können und auf dem Spielplatz im Garten spielen können!
Obwohl mich die Nachricht, dass im Saarland schon die ersten Freibäder öffnen schon ein wenig neidisch gemacht hat ;). Das wars für heute, Fotos von der eigentlichen Parade reich vielleichtich noch nach, wenn ich sie von meinem Handy runtergespielt habe,
Пока, Йоханна
Sonntag, 8. Mai 2011
Lviv
Aus Odessa ging es für Hannah und mich zusammen mit Susanne, der Freiwilligen dort, weiter nach Lviv (oder russ. Lvov oder auch dt. Lemberg).
Seminar in Odessa
Odessa - wieviel habe ich schon vorher über diese Stadt gehört, die immer als etwas sehr besonderes gilt und meine Erwartungen würden erfüllt und übertroffen.
Nach 23 Stunden Zugfahrt fühlten wir uns in Odessa schon gleich wie im Urlaub und ewig weit weg von Minsk. Auf dem Weg zur Straßenbahn sind wir durch einen Markt gegangen und kamen uns gleich vor wie auf einem orientalischen Markt. Als wir dann auch noch am schwarzen Meer waren, war das Urlaubsfeeling perfekt.
Unser Seminarprogramm bestand aus einem Besuch im jüdischen Museum in Odessa, sowie im Holokaustmuseum, einem Seminar mit Teilnehmern aus Odessa über Interkulturelle Kommunikation und Gedenkkultur in der Ukraine, einem Abend mit der jüdischen Gemeinde in Odessa, "normalem" Seminarprogramm mit Gesprächen über unsere Projekte und meinem Favorit: Wir sahen das Ballet Schwanensee in des Oper in Odessa.
Auf unseren letzten Seminartag fiel auch der Feiertag zur Befreiung Odessas von der deutschen Besetzung. An diesem Tag gab es ein kleines Stück außerhalb von Odessa ein Spektakel zur Befreiung bei dem mehrere Hundert Schauspieler die Befreiung nachspielten. Ein sehr interessanter, aber auch für mich verstörendes Erlebnis, denn es gab ja nicht nur Rotarmeesoldaten sondern eben auch "Deutsche" in alten Uniformen die klischeegerecht in ihrem Erdloch unter der SS - Fahne saßen und die alte deutsche Hymne hörten.
Dazu auch noch ein paar Fotoeindrücke:
Nach 23 Stunden Zugfahrt fühlten wir uns in Odessa schon gleich wie im Urlaub und ewig weit weg von Minsk. Auf dem Weg zur Straßenbahn sind wir durch einen Markt gegangen und kamen uns gleich vor wie auf einem orientalischen Markt. Als wir dann auch noch am schwarzen Meer waren, war das Urlaubsfeeling perfekt.
Unser Seminarprogramm bestand aus einem Besuch im jüdischen Museum in Odessa, sowie im Holokaustmuseum, einem Seminar mit Teilnehmern aus Odessa über Interkulturelle Kommunikation und Gedenkkultur in der Ukraine, einem Abend mit der jüdischen Gemeinde in Odessa, "normalem" Seminarprogramm mit Gesprächen über unsere Projekte und meinem Favorit: Wir sahen das Ballet Schwanensee in des Oper in Odessa.
| Oper in Odessa |
| Das Schwarze Meer |
| Ukraine und Belarus Freiwillige |
Dazu auch noch ein paar Fotoeindrücke:
| Die Rote Armee greift an! |
Theaterfestival Hesed
Das erste was ich nachtragen will, liegt jetzt schon über einen Monat zurück, trotzdem war es eine schöne Erfahrung für mich und daher will ich noch darüber schreiben.
Vom 25. bis 27. März veranstaltete das Hesed in Minsk ein Theaterfestival für Menschen mit Behinderungen. Ich habe dort als Freiwillige an allen Tagen geholfen.
Freitags begann das Festival mit einer Vorstellung der Taubstummenvereinigung Minsk, in deren Theaterhaus das Festival auch statt fand. Es war eine total neue Erfahrung zu sehen, wie Taube Theater spielen. Musik und Text kamen vom Band und die Schauspieler sprachen Gebärdensprache.
Samstag ging es dann mit dem eigentlichen Festival weiter, kurzerhand wurde ich dann auch noch zu einem Jurymitglied ernannt, was für mich allerdings eher seltsam war, da die restlichen vier Leute allesamt richtig Ahnung von Theater haben und ich ja überhaupt nicht, vor allem als ich dann auch noch auf Russisch meine Eindrücke beschreiben sollte, fand ich das schwierig. Aufgetreten sind an dem Tag 11 Gruppen aus Belarus, Russland, Litauen und der Ukraine. Die Gruppen gingen von Laiengruppen die ihren ersten Auftritt auf dem Festival hatten zu Gruppen die schon seit Jahren professionell auftreten und waren daher auch schwer miteinander zu vergleichen.
Außerdem gab es Samstags und Montags noch viele Workshops.
Sonntag gab es dann noch ein großes Galakonzert. Sehr gefreut hat mich, dass dort Kinder aus Novinki aufgetretet sind.
Vom 25. bis 27. März veranstaltete das Hesed in Minsk ein Theaterfestival für Menschen mit Behinderungen. Ich habe dort als Freiwillige an allen Tagen geholfen.
Freitags begann das Festival mit einer Vorstellung der Taubstummenvereinigung Minsk, in deren Theaterhaus das Festival auch statt fand. Es war eine total neue Erfahrung zu sehen, wie Taube Theater spielen. Musik und Text kamen vom Band und die Schauspieler sprachen Gebärdensprache.
Samstag ging es dann mit dem eigentlichen Festival weiter, kurzerhand wurde ich dann auch noch zu einem Jurymitglied ernannt, was für mich allerdings eher seltsam war, da die restlichen vier Leute allesamt richtig Ahnung von Theater haben und ich ja überhaupt nicht, vor allem als ich dann auch noch auf Russisch meine Eindrücke beschreiben sollte, fand ich das schwierig. Aufgetreten sind an dem Tag 11 Gruppen aus Belarus, Russland, Litauen und der Ukraine. Die Gruppen gingen von Laiengruppen die ihren ersten Auftritt auf dem Festival hatten zu Gruppen die schon seit Jahren professionell auftreten und waren daher auch schwer miteinander zu vergleichen.
Außerdem gab es Samstags und Montags noch viele Workshops.
Sonntag gab es dann noch ein großes Galakonzert. Sehr gefreut hat mich, dass dort Kinder aus Novinki aufgetretet sind.
Ansonsten fand ich es auch eine schöne Erfahrung, weil mir klar geworden ist, dass Novinki eben auch ein Extremfall ist, weil es ein Heim und dann auch noch für Kinder mit Behinderungen ist. Dort auf dem Festival zu sein und zu sehen, dass es auch einige Kinder gibt, die in Familien aufwachsen, lässt mich doch noch mehr dran glauben, dass es einen Fortschritt in der Integration gibt, auch wenn es nur ein sehr kleiner ist...
Schlechtes Gewissen!
Trotz meinem Versprechen gleich wieder etwas Neues zu schreiben, bin ich nicht dazu gekommen in den letzten Wochen... Irgendwie fehlte mir die Zeit.
Daher also jetzt eine Zusammenfassung meiner Zeit in Odessa, Lviv und des Besuchs meiner Familie in Minsk, außerdem auch der Vorsatz in Zukunft wieder regelmäßiger zu schreiben.
Daher also jetzt eine Zusammenfassung meiner Zeit in Odessa, Lviv und des Besuchs meiner Familie in Minsk, außerdem auch der Vorsatz in Zukunft wieder regelmäßiger zu schreiben.
Donnerstag, 14. April 2011
Odessa, Lviv und ein Anschlag in Minsk
Das wichtigste als allererstes: Uns geht es gut. Zum Zeitpunkt des Anschlags waren wir gar nicht in Minsk, sondern in Lviv in der Ukraine.
Als wir von der Explosition hörten, saßen wir grade in einer Kneipe in Lviv und konnten es gar nicht glauben. Wer legt denn in Minsk eine Bombe... So wirklich begreifen kann ich es immer noch nicht, obwohl ich seit heute Morgen wieder in Minsk bin und auf dem Heimweg die vielen Blumen vor der Metrostation Kastrishnizkaja gesehen habe. Für mich ist es unvorstellbar wie jemand in Minsk, wo ich mich mittlerweile total zuhause fühle eine Bombe legen kann. Ich fühle mich das erste Mal von so etwas direkt betroffen und obwohl es nur Gedankenspinnerei ist, sind die Gedanken, dass ich fast täglich Metro fahre und wenn ich vielleicht nicht auf dem Seminar in Odessa bzw Lviv gewesen wäre, auch gut in der Metro hätte sitzen können, auch irgendwie da.
Darüber, wer für die Anschläge verantwortlich sein könnte, bin ich sehr gespalten. Ich kann (und will) mir weder vorstellen, dass die Opposition Bombe gelegt haben könnte, noch das Lukaschenko sein eigenes Volk umbringen würde. Allerdings denke ich, dass er die Anschläge jetzt zu seinem Vorteil nutzen wird. Er kann sich wieder als Retter aufspielen, der das ganze schon nach zwei Tagen aufgeklärt hat (ich bezweifle, dass die Geständnisse freiwillig und ohne Zwang abgegeben wurden) und er kann weitere Einschränkungen und Verfolgungen der Opposition mit der nationalen Sicherheit begründen. Außerdem tut sich das Bild wie er mit seinem kleinen Sohn Blumen in der Metro niederlegt für die Opfer auch richtig gut bei den Anhängern...
Geärgert habe ich mich mal wieder über die Berichterstattung in den deutschen Medien, der erste Bericht, den ich gesehen habe, war mehr eine Aneinanderreihung sämtlicher Klischees als wirkliche Berichterstattung darüber, was passiert ist. Bestes Beispiel dafür war, dass mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass die Metrostation neben Lukaschenkos Präsidentenpalast liegt und auch am Oktoberplatz, wo es 2006 nach den Wahlen Demos gab. Dass Kastrichnizkaja einfach die Umsteigemetrostation ist, wo man von der einen auf die andere Linie kommt und dort immer am meisten los ist, wurde nicht erwähnt.
Mehr Zeit auch über das Seminar und die Zeit in der Ukraine und sogar noch über die Dinge davor zu erzähen, habe ich gerade nicht, aber ich hoffe darauf, am Wochenende mal wieder Zeit zu haben, dann wird das nachgeliefert!
Пока, Йоханна
Als wir von der Explosition hörten, saßen wir grade in einer Kneipe in Lviv und konnten es gar nicht glauben. Wer legt denn in Minsk eine Bombe... So wirklich begreifen kann ich es immer noch nicht, obwohl ich seit heute Morgen wieder in Minsk bin und auf dem Heimweg die vielen Blumen vor der Metrostation Kastrishnizkaja gesehen habe. Für mich ist es unvorstellbar wie jemand in Minsk, wo ich mich mittlerweile total zuhause fühle eine Bombe legen kann. Ich fühle mich das erste Mal von so etwas direkt betroffen und obwohl es nur Gedankenspinnerei ist, sind die Gedanken, dass ich fast täglich Metro fahre und wenn ich vielleicht nicht auf dem Seminar in Odessa bzw Lviv gewesen wäre, auch gut in der Metro hätte sitzen können, auch irgendwie da.
Darüber, wer für die Anschläge verantwortlich sein könnte, bin ich sehr gespalten. Ich kann (und will) mir weder vorstellen, dass die Opposition Bombe gelegt haben könnte, noch das Lukaschenko sein eigenes Volk umbringen würde. Allerdings denke ich, dass er die Anschläge jetzt zu seinem Vorteil nutzen wird. Er kann sich wieder als Retter aufspielen, der das ganze schon nach zwei Tagen aufgeklärt hat (ich bezweifle, dass die Geständnisse freiwillig und ohne Zwang abgegeben wurden) und er kann weitere Einschränkungen und Verfolgungen der Opposition mit der nationalen Sicherheit begründen. Außerdem tut sich das Bild wie er mit seinem kleinen Sohn Blumen in der Metro niederlegt für die Opfer auch richtig gut bei den Anhängern...
Geärgert habe ich mich mal wieder über die Berichterstattung in den deutschen Medien, der erste Bericht, den ich gesehen habe, war mehr eine Aneinanderreihung sämtlicher Klischees als wirkliche Berichterstattung darüber, was passiert ist. Bestes Beispiel dafür war, dass mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass die Metrostation neben Lukaschenkos Präsidentenpalast liegt und auch am Oktoberplatz, wo es 2006 nach den Wahlen Demos gab. Dass Kastrichnizkaja einfach die Umsteigemetrostation ist, wo man von der einen auf die andere Linie kommt und dort immer am meisten los ist, wurde nicht erwähnt.
Mehr Zeit auch über das Seminar und die Zeit in der Ukraine und sogar noch über die Dinge davor zu erzähen, habe ich gerade nicht, aber ich hoffe darauf, am Wochenende mal wieder Zeit zu haben, dann wird das nachgeliefert!
Пока, Йоханна
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